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Hauptabmessungen

Länge über alles 7,50 m
Länge in de KWL 7,02 m
Breite über alles 2,15 m
Breite über Planken 2,04 m
Breite in der KWL 1,96 m
Seitenhöhe 0,77 m
Freibord vorn (bis OK Dollbord) 0,97 m
Freibord mitte (bis OK Dollbord) 0,49 m
Freibord hinten (bis OK Dollbord) 0,66 m
Tiefgang ohne Schwert und Ruder 0,49 m
Tiefgang mit Schwert 1,56 m
Masse vollausgerüstet ohne Besatzung ca. 1350 kg

Aufbau, Ausrüstung, Konservierung

Der Kutter ist für den Einsatz auf Binnengewässern, Seewasserstraßen, Haffs, Bodden und küstennahen Gewässern geeignet.
Seine robuste Bauweise gestattet noch Fahrten bei rauhen Witterungsverhältnissen
.

Aufbau des Bootskörpers

Steven, Spiegel, Kiel und Schwertkasten

Der untere Hauptlängsverband des Kutters wird durch einen kräftig dimensionierten Kiel aus Iroko gebildet (Bild 2). Seinen größten Querschnitt hat der Kiel im Bereich von Spant 2½ bis 8. Der Außenkiel ist 75x90 mm und der Innenkiel 55x160 mm. Im Bereich zwischen Spant 3 und 6 ist 250 mm von Spant 3 entfernt ein 1488 mm langer Schwertschlitz eingearbeitet.
Nach vorn und hinten verjüngt sich der Kiel und ist durch Verbinder mit dem ebenfalls aus Iroko gefertigtem Vor- und Achtersteven verbunden (Bild 3 u. 4). Die Stöße zwischen dem Kiel und den Steven sind durch Verbindungslaschen, aus feuerverzinktem Stahl, besonders gut verbunden. Der Innen- u. Außenkiel, die Verbinder mit dem Vor- u. Achtersteven sind miteinander durch Hammerkopfschrauben ø 12 mm, feuerverzinkter Stahl, verbolzt.
Der Spiegel ist aus Eiche gefertigt und mit Epoxydharz verklebt. Über dem Schwertschlitz ist ein Schwertkasten (Bild 5) aus glasfaserverstärktem Polyester angebracht. Die Laminat-dicke des Schwertkastens beträgt ca. 6 mm ( 1 Gelcoat-Schicht und wechselweise je 3 Lagen Glasseidenmatte 450 g/m² und 3 Lagen Glasseidengewebe 550 g/m²).
An die Aussenseiten des Schwertkastens wurden zur besseren Aussteifung Rippen aus glasfaserverstärktem Polyester angeklebt, die mit den Bodenwrangen bzw. mit dem Ducht- winkel verbolzt sind. Im Bereich des Schwert- u. des Klappbolzens sind zur Verstärkung Bleche aus nichtrostendem Stahl eingeklebt. In der Vorderkante des Schwertkastens ist ein Ausschnitt für das Schwertfall eingearbeitet. Den oberen Abschluß des Schwertkastens bildet ein Schwertkastendeckel aus Mahagoni, der mit dem oberen Flansch des Schwert-kastens verschraubt ist. Der untere Flansch ist an den Kiel mit Sechskantholzschrauben u. Hammerkopfbolzen angeschraubt. Zur Verstärkung des unteren Flansches sind feuerver- zinkte Stahlbleche eingeklebt. Um eine sichere Abdichtung des Schwertkastens zu erreichen, wurden zwischen unterem Flansch und Kiel Teerbinden gelegt. Der Schwert- kasten aus GFP garantiert eine lange Lebensdauer bei geringster Wartung und Pflege. Die gerade an diesem Bauteil häufig auftretenden Fäulniserscheinungen entfallen völlig.

Rippen, Außenhaut und Vernietung

Der gesamte Kiel mit Steven, Spiegel und Schwertkasten wird kieloben auf eine Helling gelegt (Bild 6). Danach wird der Balkweger (aus Eiche) an Vorsteven und Spiegel befestigt. In einem Steamkasten werden die Rippen (Esche oder Eiche) für das Einbiegen vorbereitet. Nach dem Einbiegen der Rippen über der Helling werden diese am Kiel und Balkweger angenagelt (Bild 7) und alle Übergänge verputzt. Der Rippenabstand beträgt 250 mm. Auf das nun fertig gestellte Bootsgerippe wird die Außenhaut geplankt. Sie besteht aus einer 6 mm dicken, diagonal geplankten, Innenlage aus Iroko (Bild 8), einer mit angedickter Ölfarbe konservierten Gewebezwischenlage (Zeltbahnstoff 300 g/m²) (Bild 9) und einer 10 mm dicken, karweel geplankten, Außenlage (Bild 10) aus Iroko. Die Rippen werden mit der Außenhaut durch Messingschrauben verschraubt. Für das Abnageln der Außenhaut wird das Boot etwas von der Helling abgehoben. Die Nagellöcher werden so gebohrt, daß der Kopf des Nagels nach dem Abnieten ca. 2 mm in der Außenhaut versenkt ist. Dadurch läßt sich der Bootskörper besser abputzen. Nach dem Abnageln wird der Bootskörper von der Helling gehoben (Bild 11), umgedreht, von innen werden auf die Kupfernägel Scheiben aufgezogen und dann wird die Außenhaut abgenietet (Bild 12).

Innenausbau des Bootskörpers

Nach dem Abnieten wird der Bootskörper außen abgeputzt, mit Vinoflex-Einlaßgrund vorkonserviert und innen mit Xylamon (300 g/m²) eingestrichen. Nach der Vorkonservierung wird er auf einen festen Ausbauplatz gestellt und durch Stützen auf die genauen Breiten- und Höhenmaße gebracht. Nun beginnt der Ausbau des Bootskörpers.
Im Abstand von 750 mm werden Bodenwrangen eingebaut. Im Bereich vom Spiegel bis Spant 9½ sind die Duchtenweger (Eiche 22x60 mm) angeordnet, auf denen die kiefernen Querduchten befestigt sind (Bild 13). Auf den Querduchten sind kieferne Längsduchten aufgeschraubt. Zur besseren Kraftübertragung sind die kritischen Eckverbindungen durch feuerverzinkte Stahlwinkel verstärkt. Unter den Längsduchten und den Duchten an den Bootsenden befinden sich hinter den abnehmbaren kiefernen Verkleidungen Auftriebsbehälter aus Leichtmetall, die leicht ein- u. ausgebaut werden können. Der kieferne Fußboden ist weitgehend aufnehmbar angeordnet und die Seitenwegerungen (Mahagoni) abschraubbar, so daß im Herbst das Boot gründlich gesäubert werden kann. Vor den Querduchten, über dem Fußboden, befinden sich Stemmleisten (Eiche 30x30 mm), die der Mannschaft beim Rudern einen festen Halt geben sollen.
Den oberen Abschluß des Bootskörpers bilden der Balkweger (Eiche 40x70 mm), der Schandeckel (Iroko 12x62 mm) und das Dollbord (Mahagoni 20x175 mm), welches mit Senkholzschrauben aus Messing an die Außenhaut angeschraubt ist.
Der überwiegende Einsatz von Iroko-Holz in der Außenhaut und den Längsverbänden gewährleistet eine hohe Lebensdauer des Bootskörpers.

Körperbeschläge

Sämtliche Beschläge am Bootskörper sind aus feuerverzinktem Stahl (St 38u-2) gefertigt. Alle Bolzen, die hin und wieder herausgenommen werden müssen bzw. auf denen Drehteile laufen, sind aus nichtrostendem Stahl. Alle Rollen und Blöcke sind aus Hartgewebe, wodurch ein einwandfreier Lauf auch bei Wassereinwirkung gewährleistet ist, ohne daß Korrosions- erscheinungen auftreten.
Der Vorstevenbeschlag (Bild 14) bildet den oberen Abschluß des Stevens. An ihm wird das Vorstag mit einem Wantenspanner und die Vorliek der Fock mit einem Schäkel befestigt. Er ist vorn mit der Stevenschiene verschweißt und wird hinten durch ein Verbindungsband, das mit dem Dollbord verbunden ist, gehalten. Diese Anordnung ermöglicht eine gute Übertragung der Kräfte aus dem Vorstag und der Vorliek in den Bootskörper. Außerdem ist der Vorstevenbeschlag so konstruiert, daß die vordere Schleppleine durch 2 Klüsenringe eine gute Führung erhält. Diese Schleppleine wird an einer kräftig ausgebildeten Klampe befestigt, die auf das Verbindungsband Vorsteven-Balkweger aufgeschweißt ist. Das Verbindungsband ist mit dem Balkweger und dem Vorsteven verbolzt, so daß die Zugkräfte auf den Bootskörper übertragen werden. 200 mm über der KWL ist am Vorsteven ein Augbolzen angebracht, der ebenfalls zum Schleppen dient (Bild 15).
In der Nähe von Spant 1, 2 und 9 sind Dollbordstützen (Bild 16) angebracht, die das Dollbord im Bereich der freien Längen abstützen.
Im Bereich vor Spant 7 ist über dem Kiel die Mastspur für den Großmast angeordnet und hinter Spant 3 die für den Besanmast. Damit die Stellung der Masten variiert werden kann, sind in der Mastspur auf jeder Seite Löcher angeordnet. Dadurch können die Spurbolzen in verschiedene Stellungen gebracht werden. An der darüber liegenden Ducht befindet sich eine Mastschelle, die dem Mast beim Stellen einen Halt gibt, wenn er noch nicht abgestagt ist. Die Mastschelle wird durch eine Augenschraube mit Mutter gesichert (Bild 17).
Im Abstand von 275 mm hinter jeder Querducht sind auf jeder Seite des Dollbords insgesamt 5 Rundseln angeordnet (Bild 18). Sie sind aus Gußeisen (GWT-35) gefertigt und feuerverzinkt. Die Rundseln sind mit dem Dollbord, dem Schandeckel und dem Balkweger verbolzt. Dadurch erhält das Dollbord zugleich einen guten Halt.
Für die Befestigung der Wanten sind im Bereich der Masten am Dollbord und auf den Rundseln Püttingeisen angebracht (Bild 19), vorn auf jeder Seite eins und hinten auf jeder Seite zwei. Zur besseren Quersteifung des Bootes sind an jeder Querducht Duchtenkniee angebracht. Sie stellen eine Eckverbindung zwischen den Duchten und der Außenhaut dar, so das das Boot in der Breite sicher ausgesteift ist. Bei Spant 3 u. 7 sind an den Duchten- knieen Augen angeschweißt, die für die Befestigung der Fender dienen (Bild 20).
Zwischen der 3. und 4. Rundsel von vorn ist auf dem Schandeckel eine Fockschotleitschiene mit verstellbarer Leitöse aus Leichtmetall angeschraubt (Bild 21). Dadurch ist ein Verstellen des Holepunktes für die Fockschot und somit des Schothornes möglich. Auf dem Schwertkastendeckel befindet sich eine Winsch, die für eine leichtere Holung der Fockschot angeordnet ist.
Für die Auflage der Querducht bei Spant 4½ und zur besseren Aussteifung des Schwert- kastens sind im Bereich zwischen Spant 3 u. 6 zwei Duchtwinkel angeordnet (Bild 22).
Bei Spant 5½ ist auf dem Duchtwinkel zum Belegen des Schwertfalles eine Klampe aufgeschraubt. Das Schwertfall ist am Schwert angenietet, läuft über einen Rollenkasten nach hinten und wird dort über eine 4fach geschorene Talje (Bild 22a) geholt. Der Drehpunkt des Schwertes liegt im unteren Bereich des Schwertkastens. Dort läuft das Schwert auf einer mit Lederscheiben abgedichteten Distanzbuchse, die auf dem Schwert- bolzen gelagert ist (Bild 23). In gehievter Stellung wird das Schwert durch einen Klapp- bolzen (Bild 40) gehalten und das Schwertfall entlastet.
Bei Spant 3½ ist auf dem Duchtwinkel der Großschotbeschlag befestigt.
Die Eckverbindung Dollbord mit dem Spiegel ist durch zwei Verbindungsbänder besonders gesichert (Bild 24). Im unteren Verbindungsband ist eine Bügelschraube eingezogen, die für die Befestigung der Anlegeenden dient. Zum Belegen der hinteren Schleppleine ist auf dem Achtersteven eine Klampe angeordnet. Zur besseren Führung der Schleppleine befindet sich auf dem Spiegel eine Lippklüse.
Für die Befestigung der Besanschot ist auf dem Spiegel ein Leitwagen angeschraubt
(Bild 25). An ihm wird der untere Block der Besanschot angeschäkelt.
Um den Kiel bei Grundberührungen, beim Slippen, Verladen und Transport zu schützen, wurde eine Kielschiene angebracht. Vorn stößt diese an die Stevenschiene und hinten geht sie bis zur unteren Ruderhacke. Der vordere Teil des Schwertschlitzes ist gegen unbeabsichtigtes Ausrauschen des Schwertes durch einen Schwertanschlag gesichert.

Auftriebsbehälter

Unter den Längsduchten und den Duchten an den Bootsenden befinden sich hinter den kiefernen Verkleidungen Auftriebsbehälter aus seewasserbeständigem Leichtmetall (Bild 26), die leicht ein- und ausgebaut werden können. Der gesamte Rauminhalt der Auftriebsbehälter beträgt 649 dm³. An jedem Auftriebsbehälter sind Entlüftungsschrauben angebracht, so daß man sie vor der Wintereinlagerung entwässern kann. Wie aus (Bild 27) ersichtlich, hat das Boot durch die Auftriebsbehälter im gefluteten Zustand noch genügend Reserveauftrieb. Der Nachweis der Eigenschwimmfähigkeit wurde nach den Vorschriften der DSRK durchgeführt.

Feuerlöscher

Auf der Backbordseite unter der Längsducht zwischen Spant 1 und 2 ist ein Feuerlöscher angebracht.

Ruder und Ruderpinne

Am Spiegel ist ein abnehmbares Holzruder aus Eiche mit feuerverzinkten Beschlägen angebracht (Bild 28). Das Ruderblatt besteht aus mehreren Holzleisten, die durch Nut und Feder zusammengefügt und mit Epoxydharzkleber verklebt sind. Zusätzlich sind die Holzleisten an den Hirnkanten ,schräg nach innen, mit Holzschrauben verschraubt und die Köpfe verpfropft. Die Dicke des Ruderblattes beträgt 30 mm. Am oberen Ende des Ruderblattes befindet sich der Ruderkopfbeschlag, der für die Befestigung der Ruderpinne angebracht ist. Die Ruderpinne ist als Stockpinne gearbeitet, besteht aus Eiche und ist
1180 mm lang. Unter dem Ruderkopfbeschlag ist auf der Steuerbordseite eine Flaggentülle angeschraubt. Am Spiegel und Achtersteven sind die Ruderlager (Bild 29) befestigt, in denen die am Ruderblatt angebrachten Ruderscheren eingehängt werden. Den unteren Abschluß des Ruderblattes bildet eine Bekleidung aus feuerverzinktem Stahl. Dadurch soll das Ruder bei Grundberührungen geschützt werden.

Takelage

Die Kuttertaklung besteht aus der Fock und den steilgaffelgetakelten Groß- und Besansegel. Beide Gaffelsegel sind nach Belieben reffbar (Bild 30 und 31).

Masten

Die Masten und Spieren sind aus Kiefer oder Fichte gefertigt. Der Großmast ist 6230 mm und der Besanmast 5220 mm lang. Der Querschnitt beider Masten (Bild 32a/b) ist rund, wobei der größte Durchmesser auf ca. ⅓ der Mastlänge, vom Mastfuß aus gerechnet, liegt. Nach oben und unten sind die Masten verjüngt ausgearbeitet. Zur Verringerung der Masse und Verhinderung einer schädlichen Rißbildung wurden die Masten innen vor dem Verkleben der einzelnen Leisten hohl gefräst. Der Durchmesser der Hohlkehle beträgt 30 mm. Bei Masten dieser Länge und diesen Querschnitts ist aus Gründen der Steifigkeit und zur Erhaltung des geraden Verlaufes ein Verkleben aus mehreren Leisten erforderlich.

Bäume und Gaffeln

Die Bäume und Gaffeln sind ebenfalls aus Fichte oder Kiefer gefertigt und haben folgende Längen:
Großbaum 2800 mm
Besanbaum 2300 mm
Großgaffel 2600 mm
Besangaffel 2000 mm
Der Querschnitt (Bild 33a/b/c) der Bäume und Gaffeln ist rechteckig. Die Spieren sind aus mehreren Leisten verklebt und aus den gleichen Gründen wie die Masten innen mit einer Hohlkehle versehen. Zum Einziehen der Segel sind Lieknuten eingearbeitet.

Takelagebeschläge

Die Beschläge der Takelage sind aus feuerverzinktem Stahl (St 38u-2) gefertigt. Alle Bolzen, die hin und wieder herausgenommen werden müssen bzw. auf denen Drehteile laufen, sind aus nichtrostendem Stahl. Alle Rollen und Blöcke sind aus Hartgewebe, wodurch ein einwandfreier Lauf auch bei Wassereinwirkung gewährleistet ist, ohne daß Korrosionserscheinungen auftreten. Den oberen Abschluß der Masten bilden die Masttoppbeschläge. Sie bestehen aus einer Kappe und einem auf ihr drehbar gelagerten Rollenkasten. Im Rollenkasten befinden sich 3 Seilscheiben, über den in folgender Weise die Fallen laufen:
Bb.-Seite Klaufall
Mitte Piekfall
Stb.-Seite Dirk
An der vorderen Seite der Kappe für den Großmast (Bild 34) ist ein Eck- und ein Gurtblech angeschweißt. Das Eckblech dient zur Befestigung des Blocks für das Fockfall und dem Vorstag. In dem im Gurtblech vorgesehenen Loch wird der Block für das Spinnakerfall eingeschäkelt. Befestigt werden die Masttoppbeschläge an den Masten durch Bolzen aus nichtrostendem Stahl, auf denen vier Hangerbleche gelagert sind, die über Splintbolzen und Herzbleche beim Besanmast (Bild 35) die Wanten halten.
Am unteren Ende der Gaffeln sind Gaffelschuhe (Bild 36) angeschraubt. Sie sind im Bereich der Gabel, die um den Mast greift, mit Leder bekleidet. Dadurch wird der Mast geschont.
An einer Seite des Gaffelschuhes ist ein Augblech angeschweißt, durch das ein Vorstecker gesteckt wird, der die Klau des Groß- bzw. Besansegels festhält. Für die Befestigung des Klaufalles ist am Gaffelschuh ein Bügel vorgesehen, der durch eine Sechskantschraube drehbar gehalten wird.
Der Groß- bzw. Besanbaum ist durch den Reffbeschlag (Bild 37) mit dem Mast verbunden. Am vorderen Ende des Reffbeschlages befindet sich ein 81 mm langer Gabelbolzen, an dem ein Vierkant angearbeitet ist. Hat dieser Bolzen seine Normalstellung eingenommen, so sitzt der Vierkant in einem dazu passenden Loch. Im inneren Bereich des Reffbeschlages ist eine Druckfeder über den Bolzen geschoben. Wird beim Reffen der vierkantige Teil des Bolzens aus dem Beschlag gezogen, so kann sich der Groß- bzw. Besanbaum drehen und die Feder ist auf Druck beansprucht. Wenn der Reffvorgang beendet ist, läßt man den Bolzen wieder in seine Normalstellung springen, in die er durch die Spannung der Feder gezwungen wird. Man muß darauf achten, daß der Bolzen beim Zurückspringen eine zum Vierkantloch passende Stellung einnimmt. Der Gabelbolzen ist mit dem Lümmelbolzen, der in der Mastschelle drehbar gelagert und durch einen Splint gesichert ist, gelenkig verbunden. Dadurch ist eine Bewegung des Groß- bzw. Besanbaumes in jeder erforderlichen Stellung möglich. Auf den Reffbeschlag ist wie beim Gaffelschuh ein Augblech geschweißt, durch das ein Vorstecker geschoben wird, der den Segelhals hält. Auf das hintere Ende des Groß- bzw. Besanbaumes ist ein Nockenbeschlag gesetzt (Bild 38). Der Nockenbeschlag besteht aus dem Baumring und einem an ihm drehbar gelagertem Augbügel (Dirkwaage). Am unteren Auge wird die Großschot angeschäkelt und am oberen die Dirk. Außerdem ist auf dem Baumring ein kleines Augblech aufgeschweißt, das zum Durchsetzen der Unterliek dient. Um bei starkem achterlichen Wind das Hochgehen des Großbaumes zu verhindern, wurde ein Niederhalter (Bild 39) angeordnet. Der Beschlag dafür ist am Großbaum angeschraubt und in ihm wird ein Vorstecker, in dem der Niederhalter eingespleißt ist, eingeschoben. Am Mast wird der Niederhalter an einem Augbolzen angeschäkelt. Unter dem Reffbeschlag des Besanbaumes ist am Mast eine Augplatte angebracht. An ihr wird ein Umlenkblock für die Besanschot angeschäkelt.
Den unteren Abschluß des Groß- bzw. Besanmastes bilden zum Schutz des Mastfußes die Mastfußbeschläge. Am Großmast ist unterhalb des Toppbeschlages für das Standerfall eine Seitenrolle (Bild 34) angeschraubt. Zum Schutz der Masten befinden sich im Bereich der Gaffelschuhe und der Duchten Kupferbleche (Bild 30 und 40). Oberhalb der Duchten sind an den Masten die Belegklampen für die Fallen angebracht (Bild 39 und 40).

Stehendes Gut

Der Großmast ist durch das Vorstag und zwei Wanten und der Besanmast durch zwei gleichmäßig gespreizte Wantenpaare abgestagt. Zum Verstellen der Länge sind an dem unteren Ende Wantenspanner angeordnet (Bild 19). Beim Großmast wurde für das stehende Gut starkverzinktes Drahtseil mit einem Durchmesser von 6 mm und beim Besanmast mit einem Durchmesser von 5 mm gewählt.

Laufendes Gut

Bis auf das Standerfall, das aus Dederon (ø 5 mm) besteht, wurde für alle Fallen Starkverzinktes Drahtseil mit einem Durchmesser von 3,2 mm gewählt. Die Vorläufer für die Fallen sind aus Dederon mit einem Durchmesser von 8 mm. Groß- und Besanschot sind ebenfalls aus Dederon (ø 12 mm). Zum Durchsetzen der Gaffeln sind an ihnen Hahnepots angebracht. Diese sind in den Gaffelschuhen eingespleißt (Bild 36) und am Piek der Gaffeln in einen Bügel eingeschäkelt. Auf den Hahnepots läuft ein Hahnepotläufer (Bild 36), der am Piekfall angeschraubt ist.

Segel

Die Segel werden nach Wunsch aus Baumwolle (220 g/m²) oder Kunststoff (180 g/m²) gefertigt. Die einzelnen Segel haben folgende Größe:
Großsegel 9,89 m²
Besansegel 6,28 m²
Fock 6,72 m²
Genua 8,43 m²
Spinnaker 22,00 m²
Am-Wind-Fläche 22,54 m²
Zur Aussteifung der Achterliek des Groß- und Besansegels sind je 4 Segellatten vorgesehen.
Bei den Bäumen und Gaffeln werden die Segellieken in eine Keep eingezogen, wogegen sie am Mast durch eine Reihleine angeschlagen werden. Wie schon beschrieben, sind die Takelagebeschläge so ausgebildet, daß die Segellieken entsprechend den Windverhältnissen durchgesetzt werden können. Bei schwachem Wind sind sie loser zu fahren als bei starkem. Um einen möglichst guten Vortrieb durch die Segel zu erreichen, ist darauf zu achten, daß die Neigung der Gaffel nur so hoch eingestellt wird, so lange wie die Segel an der Achterliek öffnen. Das heißt, sie darf nicht unstetig nach innen kippen.
Das Vorsegel wird am Segelhals an den Vorstevenbeschlag und am Segelkopf an das Fall durch je einen Schäkel angeschlagen. An der Vorliek sind Stagreiter angenäht, die auf dem Vorstag laufen.

Rudereinrichtung

Die Rudereinrichtung wird auf Wunsch in zwei Ausführungen geliefert:
a) mit gekehlten Riemen (ähnlich denen von Rennruderbooten Bild 42)
b) mit den traditionellen Kutterriemen
Jedes Boot wird bei Ausführung a) mit 8 Arbeitsriemen (3,70 m lang) und 6 Bug- und Schlagriemen (3,35 m lang) ausgerüstet. Davon sind je 2 Riemen als Reserve bestimmt. An den Stellen, wo die Riemen in den Rundseln gelagert sind, befindet sich eine Ledermanschette. Die Riemen bei Ausführung a)sind aus Kiefer bzw. Fichte mit Escheverstärkung gefertigt. Die Blätter sind weiß gestrichen und die Holme farblos lackiert. Am Ende der Riemen ist ein Stück unlackiert gelassen, zur besseren Griffigkeit.

Motorantrieb

Um die Einsatzmöglichkeit des Kutters zu vergrößern, wurde eine Möglichkeit geschaffen, den Außenbordmotor Typ "Forelle" anzubauen. Der Motor wird in eine leicht zu montierende Motoraufhängung (Bild 43/43a) eingehängt. Auf der Backbordseite des Spiegels wird die Motoraufhängung angeschraubt. Dort befindet sich für den Festmacher eine Bügelschraube. In horizontaler Richtung dazu wird eine zweite Bügelschraube montiert. Danach ist die Motoraufhängung in die Bügelschrauben einzuhängen und am Spiegel das Loch für den Gewindebolzen anzureißen. Nach dem Bohren des Loches wird der Bolzen so durchgesteckt,
daß die am Bolzen angelötete Messingplatte im Inneren des Bootes sitzt. Die Messingplatte wird dann an den Spiegel geschraubt und von außen die Motoraufhängung darübergeschoben und mit einer Korbmutter befestigt.
Die gesamte Motoraufhängung mit den dazugehörigen Einzelteilen wird von der Werft lose mitgeliefert, so daß sich jeder Kunde selbst nach eigenem Ermessen diese Vorrichtung anbauen kann.
Das Boot kann mit Motor in 2 Varianten gefahren werden:
a) Die Motorstellung wird arretiert und es wird mit dem Ruder gesteuert. Dabei ist zu beachten, daß der Ruderausschlag durch den Propeller begrenzt ist.
b) Das Ruderblatt wird ausgehängt und mit dem Motor wird gesteuert.

E-Anlage

Um bei Nachtfahrten der Sportbootsanordnung zu genügen, wurde eine stationäre wasserdichte E-Anlage für die Lichterführung installiert (Bild 45).
Bei Spant 8 unter dem Fußboden ist ein wasserdichter Batteriekasten eingebaut. In diesem Kasten befindet sich ein 6V-Akku mit 54 Ah. Der Deckel des Kastens ist mit einem Lederriemen verschlossen. Von diesem Akku wird 1 Hecklampe, 2 Seitenlampen und 1 Topplampe gespeist. Vorn und hinten sind unter der Längsducht 2 wasserdichte Steckdosen angebracht, so daß die Heck- und Topplampe leicht abgebaut werden können. Die gesamte Kabelführung verläuft hinter der Wegerung. Am vorderen Schott sind die Durchgangsabzweigdose (Bb), der Schalter (ca. Mitte) und die Sicherungsdose installiert.

Ausrüstung und Inventar

Die gesamte Ausrüstung des Kutters umfaßt folgende Gegenstände:
1 Großmast
1 Besanmast
1 Großbaum
1 Besanbaum
1 Großgaffel
1 Besangaffel
1 Spinnakerbaum komplett
1 Großsegel mit 4 Latten
1 Besansegel mit 4 Latten
1 Fock
1 Genua
1 Spinnaker
1 Satz Wanten mit Vorstag und Spannschrauben
1 Spinnakerfall
1 Satz Schoten, Dederon, komplett mit Blöcken und Schäkeln
1 Spinnakerschot
1 Verklicker mit Standerstock und Standerleine
1 Segelpersenning für Großsegel
1 Segelpersenning für Besansegel
2 Segelsäcke aus Flachsgarn
1 Bootsplane über alles mit Hanf-Spannseil und 3 Planstützen
8 Arbeitsriemen mit gekehlten Blättern
6 Schlagriemen mit gekehlten Blättern
1 Vierflunken-Umsteckanker 10 kg
1 Ankertrosse, ø 12 mm x 25 m, Dederon
4 Festmacher, ø 12 mm x 6 m, Dederon
1 Wurfleine B30
4 Fender (Kunststoff-Reusenbälle) mit Leine ø 8 mm x 2 m, Derderon
2 Bootshaken, Fichte, 2,25 m, mit grün-weißer Lotmarkierung
1 Heckflaggenstock, ca. 1,11 m lang
1 Staatsflagge 1000 x 600 mm
1 Schlagpütz, Plaste, ca. 5 l, mit Leine ø 8 mm x 1,5 m, Dederon
1 Ösfaß
1 Rettungsring A600
11 Sportschwimmwesten
2 Winkerflaggen 450 x 450 mm, mit Stöcken
1 Signalhorn (Mundhorn)
1 Standard-Verbandskasten, spritzwasserdichte Ausführung
1 Feuerlöscher
1 Taschenlampe
1 Spiegel-Motoraufhängung
1 Elektrische Ausrüstung
1 Werkzeugtasche mit folgendem Inhalt:
1 Fuchsschwanz
1 Vorfeile (flach)
1 Vorfeile (rund)
1 Hammmer 250 g
1 Holzhammer
1 Kneifzange
1 Flachzange
1 Kombizange
1 verstellbarer Schraubenschlüssel, Maulöffnung bis 36 mm
1 Schraubenzieher 3 mm
1 Schraubenzieher 5 mm
1 Maulschlüssel 9/10
1 Maulschlüssel 14/17
1 Maulschlüssel 19/24
1 Beil 1000 g
1 Marlspieker
1 Kappmesser
1 Durchschlag ø 2 mm
1 Durchschlag ø 3 mm

Konservierung

Die Farbzusammenstellung wurde so gewählt, daß das Boot ein geschmackvolles Aussehen erhält und die Besatzung zu einer gewissenhaften Bootspflege gezwungen wird, die für die Ausbildung von besonderer Bedeutung ist. Im folgenden ist der Farbaufbau der einzelnen Bauteile aufgeführt, so daß bei Überholungsarbeiten auch der richtige Farbanstrich gewählt wird.
Der Verfasser hat es gut gemeint. Bei allem Respekt vor Tradition und Originalität - die im einzelnen beschriebenen Farben bzw. Farbbezeichnungen sind in dieser Form nicht beschaffbar und werden praxishalber durch verfügbare Materialien ersetzt. Zu gegebener Zeit sind die Details eventuell per pdf-Datei abrufbar bzw. auf Anfrage. Die Farbgestaltung wird daher in Kurzform erklärt.
- Überwasserschiff, von OK Wasserlinie bis UK Scheuerleiste incl. Spiegel weiß
- Scheuerleiste, Dollbord und Schandeckel farblos
- Außenhaut Innenseite Farblos
- Duchten und Verkleidungen elfenbein hell
- Schwertkastendeckel farblos
- Stemmleisten, Fußboden und Schwertkasten hellgrau
- Masten und Spieren elfenbein

Text und Bilder aus Lehrheft, Ausgabejahr1969